Frau Dr. Kroner stellt das klassische Bildungsbürgertum in Euskirchen dar, aber im besten Sinne. Als eine hoch gebildete Frau, war sie selbstbewusst und immer bestrebt, diese Bildung auch weiterzugeben.
Geboren 1925 in Masserberg, in Thüringen, als einzige Tochter mit dem Namen Godiva (was „Gottesgabe" bedeutet) in einer gebildeten und bekennenden evangelischen Pfarrersfamilie. Schon der Vater war bei den Nationalsozialisten unangenehm aufgefallen, weil er sich gegen den Atheismus des Hitler-Regimes geäußert hatte, mit der Folge von Berufsverbot als Pastor und Gymnasiallehrer.
Tochter Godiva qualifizierte sich früh in Leipzig als Dolmetscherin in Englisch und Russisch mit exzellenten Noten, lernte zusätzlich zwei romanische Sprachen: Italienisch und Spanisch. Mit solchen Sprachkenntnissen ausgestattet, arbeitete sie nach dem Krieg als Dolmetscherin für die amerikanische Militärverwaltung, machte nebenbei den Führerschein – damals nicht alltäglich für Frauen. Keine drei Monate später kam Thüringen in die sowjetische Verwaltung. Die gleichen Fähigkeiten waren gefragt, diesmal in russischer Sprache. Die russische Gesetzgebung verlangte allerdings, dass Dolmetscher Mitglieder der Armee waren, da sie mit hoheitlichen Bereichen in Berührung kamen. Godiva nahm das Angebot an, zumal sie auch „russenfreundlich" eingestellt war. Sie wusste um die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland.

