Julia (Julie) Henriette Maria Disse wurde am 14.02.1886 in Hagen als Tochter des Oberlandesgerichtsrats Bernhard Schlichter und seiner Ehefaru Auguste Freusberg geboren. Sie wuchs mit fünf Schwestern und einem Bruder in Hamm auf. Sie besuchte die Schöninghsche Seminarschule und legte die Lehrerinnenprüfung für das höhere Mädchenschulwesen ab. Am 02.01.1906 verlobte sie sich auf der Osten-Eisbahn in Hamm mit Gottfried Disse. Die beiden heirateten dann am 24.10.1907 in der St. Agnes Kirche in Hamm und zogen nach Bocholt, wo Gottfried Disse zu dieser Zeit Beigeordneter war. Als er dann am 04.07.1910 Bürgermeister in Euskirchen wurde, zog die Familie in eine Villa an der Münstereifeler Str. 104.
Als Frau des Bürgermeisters übernahm Julie Disse den Vorsitz im katholischen Elisabethverein, der vor allem für die Armenunterstützung in der Stadt zuständig war. Sie saß ebenfalls im Vorstand der Mütterberatungsstelle des Frauenhilfswerks und beim Katholischen Frauenbund und engagierte sich neben der Frau des Landrates, Susanne Kaufmann, im Vaterländischen Frauenverein. Besonders in den Jahren des Ersten Weltkrieges war sie als Helferin des Roten Kreuzes am Bahnhof in Euskirchen zur Versorgung der ankommenden Soldatenzüge und mit besonderer Einfühlung in das Leid der verwundeten Soldaten im Reservelazarett in der Taubstummenanstalt tätig. Mindestens dreimal in der Woche besuchte sie das Lazarett. Die Kinder waren dann meistens in der Obhut der Dienstmädchen.

