Gertrud Schmöle wurde selbst in eine kinderreiche Lehrerfamilie als fünftes von insgesamt sieben Kindern 1898 hineingeboren. Der Vater Hugo Schmöle war Volksschullehrer in Euskirchen, vielleicht war das der Antrieb für einen lebenslangen Einsatz um Kinder aus benachteiligten Verhältnissen und mit Lernbehinderung.
Sie besuchte mit 17 Jahren die Lehrerinnen-Bildungsanstalt und machte ihr Referendariat in Olpe. Sie wollte als Lehrerein arbeiten.
Während des preußischen Kaiserreiches gab es keinen klaren Weg für die sog. „schwachbegabten“ Kinder. Erste „Hilfsschulen“ entstanden ab 1881. Ihr Ziel war es, die Volksschulen zu entlasten, da die schwachbefähigten Kinder angeblich die übrigen Kinder in ihrem Fortschritt hemmten. Die Hilfsschüler waren mit geeigneten Methoden weiterzuentwickeln. Ein zweites Konzept befürwortete die Bildung von „Nachhilfeklassen" ohne räumliche Trennung von der Regelschule. Beide Konzepte fanden noch bis in die 50iger Jahre ihre Anhänger.
Gertrud Schmöle - Feld 57, Nr. 1 – 2


Kriterium für die Zuweisung eines Schülers zur Hilfsschule war das zweijährige Versagen in der Volksschule. Dabei wurde nicht unterschieden, ob es sich um eine Sprachbehinderung, Verhaltensstörung, Lernbehinderung oder geistige Schwäche handelte. Die Ursachen wurden im Kind selbst bzw. in seinen Erbanlagen gesehen. Auffällig war von Beginn an, dass Kinder mit Schwächen meist aus sozialarmen Schichten kamen; die Armut der Hilfsschulkinder wurde als geistige Armut gesehen.
Das Zurückbleiben der Kinder führte man nicht auf ihre soziale Lage, sondern auf die moralische Schuld ihrer Vorfahren und auf minderwertige Vererbung zurück.
Auf Initiative von Hugo Schmöle gründete man erst 1919 in Euskirchen eine städtische Hilfsschule. Ein Jahr später kam die Tochter Gertrud als zweite Lehrerin an diese Schule. Zusammen mit dem Schularzt, Dr. Paul Baron, wurden die in Frage kommenden Kinder in den einzelnen Volksschulen der Stadt ausgewählt. Bei einem Hausbesuch informierte man die betroffenen Eltern über den neuen Schultyp. Die ausgewählten Schüler sollten sich unterzogen einem Intelligenztest unterziehen, um ihren geistigen Entwicklungszustand zu beurteilen. Ein modernes Konzept, wenn man bedenkt, dass die Prügelstrafe immer noch als geeignetes Erziehungsmittel galt.

Gertud Schmöle erkannte, welchen Einfluss die sozialen Verhältnisse auf den Bildungserfolg haben. Die Übergabe eines Schülers in die Fürsorgeerziehung sah sie als Versagen ihrer Schule an.
Besonders belastend und kritisch galten die Zeiten nach 1933 mit der Problematik der sog. „Erbgesundheit“, die in vielen Fällen zur Sterilisierung oder gar Euthanasie führte.
Alle Beurteilungen der Schüler bei vermeintlich „angeborenem Schwachsinn“ hatten eine gewollte oder ungewollte Außenwirkung. Die Kinder sortierte der neue Schulleiter, ein strammer Parteigenosse, im Sinne der Ideologie der Nazis aus.
Nach dem Krieg sammelte Gertrud Schmöle ihre Kinder, Unterrichtsmaterial und Fördermittel ein, um zwei Jahrgangsstufen alleine zu unterrichten.
Jede Benachteiligung ihrer Sonderschüler stieß auf ihren heftigen Widerstand.
Sie blieb eine Befürworterin der getrennten Beschulung und setzte sich für eine neue Schule am Keltenring ein, die Mathias-Hagen-Schule.