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Dr. Godiva Kroner - Feld 47, Nr. 58 – 67

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Frau Dr. Kroner stellt das klassische Bildungsbürgertum in Euskirchen dar, aber im besten Sinne. Als eine hoch gebildete Frau, war sie selbstbewusst und immer bestrebt, diese Bildung auch weiterzugeben.

Geboren 1925 in Masserberg, in Thüringen, als einzige Tochter mit dem Namen Godiva (was „Gottesgabe" bedeutet) in einer gebildeten und bekennenden evangelischen Pfarrersfamilie. Schon der Vater war bei den Nationalsozialisten unangenehm aufgefallen, weil er sich gegen den Atheismus des Hitler-Regimes geäußert hatte, mit der Folge von Berufsverbot als Pastor und Gymnasiallehrer.

Tochter Godiva qualifizierte sich früh in Leipzig als Dolmetscherin in Englisch und Russisch mit exzellenten Noten, lernte zusätzlich zwei romanische Sprachen: Italienisch und Spanisch. Mit solchen Sprachkenntnissen ausgestattet, arbeitete sie nach dem Krieg als Dolmetscherin für die amerikanische Militärverwaltung, machte nebenbei den Führerschein – damals nicht alltäglich für Frauen. Keine drei Monate später kam Thüringen in die sowjetische Verwaltung. Die gleichen Fähigkeiten waren gefragt, diesmal in russischer Sprache. Die russische Gesetzgebung verlangte allerdings, dass Dolmetscher Mitglieder der Armee waren, da sie mit hoheitlichen Bereichen in Berührung kamen. Godiva nahm das Angebot an, zumal sie auch „russenfreundlich" eingestellt war. Sie wusste um die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland.

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Aber es folgte rasch die Ernüchterung: Einschüchterung, Zensur, Bekämpfung von Religionen, die Einheitspartei, Erziehung zur Staatstreue durch Zwangsmitgliedschaft in Partei-Organisationen, Personenkult, Hetztiraden und Militärparaden. Das kannte man zu Genüge aus der Familiengeschichte in der Zeit der Nazis. 1947 floh die Familie über die grüne Grenze in den Westen nach Köln.

Nach kurzem Intermezzo für das Britische Militär arbeitete Godiva Kroner als Fremdsprachenkorrespondentin in dem Motorenwerk in Köln-Deutz. In Köln lernte sie ihren künftigen Mann kennen, ein im ostpreußischen Allenstein geborener Student, auch aus einem Lehrerhaushalt stammend. Etwas widerwillig zog sie 1956 mit ihm nach Euskirchen, wo Herr Kroner als Gymnasiallehrer Beamter war.

Frau Kroner war auf einmal nur Mutter und Hausfrau. Sie hatte als „Zugereiste" für die Bürgerschaft zwei entscheidende „Mängel"; sie beherrschte nicht das Euskirchener Platt und sie war Protestantin. Die stark wachsende evangelische Gemeinde unterstütze sie aber.
Godiva Kroner biss sich hartnäckig durch. Ihre Bildungskarriere begann: sie gab in dem Volksbildungswerk Russischkurse, sammelte erste Unterrichtserfahrungen, begann 1963 ein Aufbaustudium über die Volksschul- zur Gymnasialbefähigung als Lehrerin, gekrönt mit einer pädagogischen Promotion.

Als „Frau Dr. Kroner“ übernahm sie 1975 im Zuge der politisch gewollten Bildungsoffensive die hauptamtliche Stelle und den Ausbau der Volkshochschule in Euskirchen. Hier lag das Potenzial zu einem unbegrenzten Betätigungsfeld. Die neue Institution hielt vielfältige Angebote für unterschiedliche Bevölkerungsschichten bereit und wurde damit eine nicht mehr wegzudenkende Bildungseinrichtung.
Dr. Kroner war in ihrem Element und setzte sich energisch für jede Form der Bildung ein. Ihr Motto: „Belegen Sie lieber einen Kurs, statt einen Parkplatz in der VHS.“

Dr. Godiva Kroner