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Josefine Fienup - Feld 36, Nr. 129 – 130

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Bernhard Fienup kam aus dem evangelischen Städtchen Lingen im Emsland nach Euskirchen. Er war im späteren Amt für Agrarordnung als Beamter tätig und wurde in das Presbyterium der evangelischen Kirche in Euskirchen gewählt. Seine Tochter Anna Josefine - eine von sechs Kindern und im Jahre 1900 geboren - entstammte folglich dem evangelischen Kulturkreis, eine damals nicht selbstverständliche Position im überwiegend katholisch geprägten Rheinland. Eine evangelische Gemeinde gab es hier erst seit 1876 und die Einweihung der Kirche an der Kölner Straße erfolgte 19 Jahre später.

Josefine Fienup war Lehrerin der evangelischen Schule in Euskirchen, die 1891 als einzügige Schule in wechselnden Gebäuden ihren Dienst begann. Fienup nahm ihre Tätigkeit 1929 an der zu dieser Zeit bereits zweizügigen Schule auf. Das gesamte Kollegium bestand aus gerade einmal zwei Personen.

Im Jahre 1939 wurde die Konfessionsschule durch das nationalsozialistische Regime aufgelöst und auf die verschiedenen Gemeinschaftsschulen der Stadt Euskirchen verteilt. Dies machte man nach dem Krieg durch die damaligen Besatzungsmächte rückgängig und eröffnete erneut eine evangelische Volksschule. Man erfasste zunächst alle Grundschüler in einer Klasse. Die Unterbringung erfolgte zu Beginn in der Gehörlosenschule – heute neben dem EDEKA Markt –, später erhielt sie einen Raum in der Nordschule. Schon 1945 übernahm Josefine Fienup die frei gewordene Leitung der Schule. Sie war es bis 1963.

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Durch die Flüchtlingswelle nach dem Kriegsende platzte die Schule schnell aus allen Nähten. Aus Pommern, Ostpreußen und Schlesien kamen zahlreiche Heimatvertriebene und Flüchtlinge. Das sorgte auch in Euskirchen für einen sprunghaften Zuwachs an Gemeindemitgliedern. Auf Drängen der evangelischen Gemeinde und der Elternpflegschaft der Nordschule beschloss der Rat der Stadt Euskirchen den Neubau einer konfessionellen Schule. Im Dezember 1957 konnte dann endlich der Unterricht in der neuen evangelischen Schule an der Kölner Straße beginnen, die dann den Namen „Paul-Gerhardt-Schule“ erhielt.

Die so genannte Hilfsschule zog zunächst ebenfalls in das Gebäude an der Kölner Straße ein. Die Leiterin der Hilfsschule, Gertrud Schmöle, war eine Nachbarstochter von Josefine Fienup, sie wuchsen zusammen auf. Gemeinsam wollten die beiden eng befreundeten Frauen ihre Schulen und Schüler bestärken. Das war auch dringend nötig, diese Schulformen waren in der Euskirchener Schullandschaft echte Exoten.

Die ständige Streiterei um Besoldung und Bewertung der Lehrerstelle mit der Bezirksregierung in Köln wirkt auf uns heute kleinkariert, macht aber die Geringschätzung deutlich, die gegenüber dem Berufsbild und der aufopferungsvollen Arbeit gerade der weiblichen Mitarbeiterinnen in der Nachkriegszeit vorherrschte.

Josefine Fienup