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Josefine und Maria Reiff - Feld 43, Nr. 86 – 87 a

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Josefine und Maria Reiff waren Schwestern mit einem Altersunterschied von einem Jahr. Ihre persönliche und erzieherische Entwicklung verlief entsprechen fast parallel. Die Geburtsdaten 1880 bzw. 1881 und das Sterbejahr 1968 sprechen für sich.

Sie stammten aus einem streng katholischen und konservativen Elternhaus, der Vater war ein alter Veteran der Euskirchener Zentrumspartei, ein gläubiger Christ und Streiter für die katholischen Interessen, besonders in den unseligen Jahren des Kulturkampfes.
Nach der Reichsgründing 1871 eskalierten Auseinandersetzungen der protestantisch geprägten preußischen Kultur- und Schulpolitik mit der katholischen Minderheit im neuen Nationalstaat, besonders im Rheinland. So wurde beispielsweise die geistliche Aufsicht in den Schulen durch eine staatliche Aufsicht ersetzt. Es gab Versuche, die Ausbildung und Einstellung von Geistlichen zu kontrollieren. Der Vorrang der Zivilehe wurde eingeführt.

Die Kinder der Familie Reiff wurden deshalb in einem Kloster im Rheinland erzogen und beschult. Die beiden älteren Töchter Josefine Maria und Maria Anna machen eine Ausbildung zu Lehrerinnen. Josefine arbeitete zunächst bis 1906 in Weilerswist als Privatlehrerin, später waren beide Töchter viele Jahre an der Westschule, der späteren Martinsschule pädagogisch tätig.

Die Schwestern Reiff waren alle im kirchlichen Leben der Gemeinden St. Martin und später auch Herz Jesu aktiv, eine größere Anzahl kunstvoller liturgischer Gewänder sind von ihnen angefertigt worden. Im Dritten Reich mussten sie oft mit den Schikanen der damaligen Machthaber und Parteimitgliedern fertig werden. Schülerinnen, die nicht im nationalsozialistisch geprägten „Bund Deutscher Mädchen“ waren, mussten deshalb samstags zur Schule. Statt des Unterrichts gab es Wanderungen zu den einzelnen Pfarrhäusern in der Umgebung Euskirchens. Freundschaftliche Verbindungen zu anderen Pastoraten und angesehenen katholischen Bauernfamilien der umliegenden Dörfer wurden gepflegt. Man versucht sich so der Beeinflussung der Nazis zu entziehen.

Für die Schwestern Josefine und Maria Reiff galt damals auch das sogenannte Lehrerinnen-Zölibat. Sie mussten seit 1880 aufgrund preußischer Rechtsauffassung während ihrer Berufstätigkeit alleinstehend bleiben, im Fall der Heirat wäre die Entlassung aus dem Lehrberuf zwingend gewesen.

Alle Volksschullehrerinnen wurden noch bis in die 50iger Jahre mit „Fräulein“ angeredet. Man war der Meinung, eine verheiratete Lehrerin könne sich nicht mit gleicher Hingabe ausreichend um Mann, Kinder und den Schuldienst kümmern. Die Abschaffung des Lehrerinnenzölibats erfolgte erst 1951.
Die Geschwister Reiff blieben deshalb unverheiratet und wohnten bis zu ihrem Tode im Elternhaus in der Mittelstraße. Die jüngste Schwester, Sibilla, führte entsprechend dieser unseligen Tradition zunächst ihren Eltern und später ihren Schwestern den Haushalt.

Josefine und Maria Reiff