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Julia Disse - Feld 37 B, Nr. 187 – 192

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Julia (Julie) Henriette Maria Disse wurde am 14.02.1886 in Hagen als Tochter des Oberlandesgerichtsrats Bernhard Schlichter und seiner Ehefaru Auguste Freusberg geboren. Sie besuchte die Schöninghsche Seminarschule und legte die Lehrerinnenprüfung für das höhere Mädchenschulwesen ab. Am 02.01.1906 verlobte sie sich mit Gottfried Disse. Die beiden heirateten dann am 24.10.1907 in der St. Agnes Kirche in Hamm und zogen nach Bocholt, wo Gottfried Disse zu dieser Zeit Beigeordneter war. Als er dann am 04.07.1910 Bürgermeister in Euskirchen wurde, zog die Familie in eine Villa an der Münstereifeler Str. 104. 

Als Frau des Bürgermeisters übernahm Julie Disse den Vorsitz im katholischen Elisabethverein, der vor allem für die Armenunterstützung in der Stadt zuständig war. Sie saß ebenfalls im Vorstand der Mütterberatungsstelle des Frauenhilfswerks und beim Katholischen Frauenbund und engagierte sich im Vaterländischen Frauenverein. Besonders in den Jahren des Ersten Weltkrieges war sie als Helferin des Roten Kreuzes am Bahnhof in Euskirchen zur Versorgung der ankommenden Soldatenzüge und mit besonderer Einfühlung in das Leid der verwundeten Soldaten im Reservelazarett in der Taubstummenanstalt tätig. Mindestens dreimal in der Woche besuchte sie das Lazarett. Die Kinder waren dann meistens in der Obhut der Dienstmädchen.

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Die kritische Ernährungslage während des Ersten Weltkrieges machte auch vor der Bürgermeisterfamilie in Euskirchen nicht Halt. Da half auch die Zucht von Hühnern, einer Ziege und eines Schweins nicht viel, denn Eier und Fleisch mussten abgegeben werden.

Im Zusammenhang mit dem sogenannten Ruhrkampf folgte auch im Jahre 1923 für die Bürgermeisterfamilie die Ausweisung aus Euskirchen. Julie Disse und ihr ältester Sohn Gottfried brachten im Vorfeld per Eisenbahn einige Wertsachen nach Köln in die britische Besatzungszone zu Julies Schwester. Am 22.02.1923, abends um 22.00 Uhr, wurde Bürgermeister Gottfried Disse von französischen Gendarmen in seinem Haus verhaftet, bis zur Grenze der französischen Besatzungszone auf der rechten Rheinseite transportiert und dort abgesetzt. Die restliche Familie fuhr mit mehreren Handkoffern und einer Holzkiste mit den Hühnern zum Hauptbahnhof nach Köln und von dort zu Verwandten nach Hamm und Paderborn. Das Haus in der Münstereifeler Straße wurde beschlagnahmt und als Besatzungsquartier verwendet. Im April 1924 konnte die Familie Disse wieder ins Rheinland und in ihr Haus zurück. 

Julie Disse pflegte auch in der Nachkriegszeit ein gesellschaftliches Haus in ihrer Villa auf der Münstereifeler Straße. Jeden Sonntag nach der Messe trafen sich dort Familienangehörige, Freunde und Bekannte zum Gespräch. Die musikalisch begabte und kommunikationsfreudige Frau blieb bis zu ihrem Tode am 09.05.1965 für die älteren Euskirchener immer „die Frau Bürgermeister“. 

Julie Disse pflegte auch in der Nachkriegszeit ein gesellschaftliches Haus in ihrer Villa auf der Münstereifeler Straße. Jeden Sonntag nach der Messe trafen sich dort Familienangehörige, Freunde und Bekannte zum Gespräch. Die musikalisch begabte und kommunikationsfreudige Frau blieb bis zu ihrem Tode am 09.05.1965 für die älteren Euskirchener immer „die Frau Bürgermeister“.