Julie Henriette Maria Disse, geboren am 14. Februar 1886 in Hagen, als Tochter des Oberlandesgerichtsrats Bernhard Schlichter und dessen Ehefrau Auguste Freusberg. Sie besuchte die Schöningh‘sche Seminarschule und legte die Lehrerinnenprüfung für das höhere Mädchenschulwesen ab.
Am 24. Oktober 1907 heiratete sie Gottfried Disse und zog nach Bocholt, wo ihr Mann Beigeordneter war. Als Gottfried Disse 1910 Bürgermeister in Euskirchen wurde, zog die Familie in eine Villa an der Münstereifeler Straße.
Als Frau des Bürgermeisters übernahm Julie Disse den Vorsitz im katholischen Elisabeth-Verein. Dieser widmete sich vor allem der Unterstützung der Armen in der Stadt. Sie saß ebenfalls im Vorstand der Mütterberatungsstelle des Frauenhilfswerks und beim Katholischen Frauenbund. Daneben engagierte sie sich auch im Vaterländischen Frauenverein.
Besonders in den Jahren des Ersten Weltkrieges engagierte sie sich als Helferin des Roten Kreuzes am Bahnhof in Euskirchen. Dort wurden die ankommenden Soldatenzüge versorgt. Mit besonderem Einfühlen kümmerte sie sich um die verwundeten Soldaten im Reservelazarett in der Taubstummenanstalt. Mindestens dreimal in der Woche besuchte sie das Lazarett. Ihre Kinder waren in diesen Zeiten in der Obhut der Dienstmädchen.
Die kritische Ernährungslage während des Ersten Weltkrieges machte auch vor der Bürgermeisterfamilie in Euskirchen nicht Halt. Da half auch die Zucht von Hühnern, einer Ziege und eines Schweins nicht viel, denn Eier und Fleisch mussten abgegeben werden.
Im Zusammenhang mit dem sogenannten Ruhrkampf folgte auch im Jahre 1923 für die Bürgermeisterfamilie die Ausweisung aus Euskirchen. Julie Disse und ihr ältester Sohn Gottfried brachten im Vorfeld per Eisenbahn einige Wertsachen nach Köln in die britische Besatzungszone zu Julies Schwester.

