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Katharina Eschweiler und Maria Dahmen - Feld 37 A, Nr. 7 – 12

Dahmen mit Schäferhund

Josef Eschweiler (09.06.1846 bis 27.11.1934) von der Münstereifeler Straße 8 war Schmiedemeisters. Er war mit Maria Diefenthal (01.05.1844 bis 22.12.1918) verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne, Matthias (06.11.1875 bis 10.03.1952) und Karl (05.09.1886 bis 30.09.1936) sowie eine Tochter Katharina (24.10.1877 bis 13.08.1957) hervor.

Die Tochter Katharina Eschweiler (24.10.1877 bis 13.08.1957) heiratete den Schreinermeister, Bauschreinerei sowie Inhaber einer Möbelfabrikation und eines Möbelgeschäft Peter Dahmen (03.12.1874 bis 05.01.1947) auf der Münstereifeler Straße 17. Aus dieser Ehe ging die Tochter Maria Sibilla Dahmen hervor.

Die couragierte Katharina Dahmen war als einzige Frau lange Zeit Mitglied des Euskirchener Stadtrates für die Zentrumspartei. 

Maria Dahmen besuchte in Euskirchen die frühere höhere Mädchenschule, die Einleitungsschule für die Mädchenoberschule und das Lyzeum. Ihre musikalische Begabung zeigte sich schon in der Schule und wurde von den Eltern gefördert. Die Eltern waren nicht kleinlich, Maria bekam alles, was sie wollte. Sie war ein intelligentes und sprachbegabtes Mädchen, das unter den Mitschülerinnen des Oberlyzeums der Dominikanerinnen immer das Wort führte. 1922 machte sie das Abitur. Ihr Onkel, Prof. Dr. Dr. Karl Eschweiler, förderte sie. Erste Gesangsstudien machte sie bei Frau Dr. Fischer in Bonn. Danach setzte sie ihr Studium als Schülerin von Professor Eladio Chao, einem persönlichen Freund des verstorbenen Caruso, an der Musikschule Köln fort. Von 1925 bis 1927 studierte sie an der staatlichen Musikhochschule Berlin. In den Concordiasälen in Euskirchen trat Maria Dahmen erstmals öffentlich auf. Am 21.12.1924 sang sie dort das Weihnachtsoratorium. Am Anfang ihrer Karriere sang sie Alt, später Sopran.

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Am Neujahrstag des Jahres 1924 verlobte sich Maria Dahmen zwar mit Hans Klais aus Bonn, eine Ehe wurde aber nicht geschlossen.

Der Euskirchener Männergesangverein veranstaltete weitere Auftritte mit Maria Dahmen als Solistin in der Concordia. Sie sang beim Festkonzert am 21.04.1928, die Liedertafel am 29.10.1928 und anlässlich der Schubertgedenkfeier am 17.03.1929 wobei Reichstagsvizepräsident Thomas Eßer die Gedenkrede hielt. Im Juli 1929 bot Maria Dahmen im Schlusskonzert der Hochschule in Wiedergabe der beethovenschen „Ah perfido” - Arie eine podiumsreife Leistung. Der Mut der Überzeugung vom Wert der eigenen Kraft gehörte dazu, mit derselben Arie als Kunstnovizin bei den sonntägigen philharmonischen Abendkonzerten am 13.10.1929 in der Bonner Beethovenhalle zu debütieren. Ab April 1930 hatte sie ihr erstes Jahresengagement am Stadttheater von Osnabrück. Bereits im Oktober sang sie ihre erste Titelrolle als Alkestis, und später wurde sie vom Osnabrücker Volksblatt als gottbegnadete Sängerin in ihrer Rolle als Elsa im „Lohengrin” gelobt.

Das damalige kulturelle Zentrum der Deutschen Opernwelt war Leipzig, wo Maria Dahmen ihr zweites Engagement erhielt. Ihre Mutter Katharina begleitete sie oft auf ihren Konzertreisen. Im September 1931 gab sie eine starke Talentprobe als Myrtocle in d`Albert`s „Tote Augen”. Sie feierte außerordentlich Erfolge als Marina in „Boris Godunow” und als Gutrune in Richard Wagners „Götterdämmerung”.

Am 21.07.1932 überreichte sie den Gesangsfreunden ihrer Vaterstadt im ausverkauften Saal Joisten einen duftigen Strauß herrlicher Arien. Zwei Monate später erhielt sie ihr nächstes Engagement am Schillertheater in Hamburg. Im November 1932 beherrsche ihre Stimme in der Titelrolle der „Carmen” die Szene. Carmen war ihre Lieblingsrolle. In der Weihnachtspremiere brillierte sie als Gräfin Leonore in Verdis „Troubadour”. Ihre Karriere baute sich weiter aus. Im Oktober 1933 sang sie in Berlin die Agathe im „Freischütz”. 

Ihr letztes längeres Engagement führte sie von Oktober 1934 bis April 1936 an das Süd-Ost-Preußische-Landestheater nach Allenstein. Sie sang hauptsächlich nur erste Rollen. Mit der weiblichen Hauptrolle der Elisabeth in „Der Tannhäuser” war sie die geborene Wagner Sängerin. Sie glänzte in „Fidelio”, „Ariadne auf Naxos”, „Maskenball”, „Lohengrin” und als Hochdramatische in „Toska”; 1936 spielte sie am Stadttheater in Hagen.

Regelmäßig ab 1934 sang Maria Dahmen in der Sendung „Schöne Stimmen” beim Reichssender Köln (Musikaufnahmen von ihr sollen im WDR-Archiv in Köln noch erhalten sein). Dort lernte sie den musikalischen Direktor des Rundfunks in Köln, Leo Eysoldt (10.11.1891 bis 02.04.1967), kennen. Eysoldt wurde in Aachen geboren, war ein deutscher Pianist, Dirigent, Komponist und Arrangeur im Bereich der Unterhaltungsmusik. Er gründete das Kölner Rundfunkorchester und baute den Zweig der Unterhaltungsmusik auf. Am 08.10.1938 begleitete er sie am Flügel beim Festkonzert des Euskirchener Männergesangvereins in der Concordia. Leo Eysoldt, Sohn des Schauspielerpaares Gertrud Eysoldt, später Eysoldt-Berneis (30.11.1870 bis 05.01.1955) und Max Martersteig (11.02.1853 bis 03.11.1926), war geschieden. Am 27.06.1939 heirateten Maria Dahmen und Leo Eysoldt standesamtlich in Köln, die Feier fand im Domhotel statt. Die Verbindung mit Eysoldt war ihrer Karriere weiterhin förderlich. Leider wurde die kinderlose Ehe nach kurzer Zeit geschieden und sie nahm selbstbewusst ihren Mädchennamen wieder an: Sie wollte einfach „Maria Dahmen” sein. Leo Eysoldt leitete in Köln im „Café Germania“ ein 20-köpfiges Salonorchester, das zu den besten Unterhaltungsorchestern der Stadt gehörte und mit dem er mit 14 Musikern im Jahre 1927 als Orchester für anspruchsvolle Unterhaltungsmusik vom Westdeutschen Rundfunk beim Reichssender Köln engagiert wurde. Das „Leo-Eysoldt-Orchester“ bestand bis 1942, als es im Krieg aufgelöst wurde. Eysoldt wechselte 1949 ohne sein Orchester zum Funkhaus Nürnberg des Bayrischen Rundfunks. Er verstarb 1967 auch in Nürnberg.

Ihre Eltern Peter und Katharina Dahmen hatten den Zweiten Weltkrieg überlebt und Maria baute das zerstörte Elternhaus und den Betrieb in der Münstereifeler Straße wieder auf. 1947 und 1948 trat sie als Solistin bei Konzerten wieder im Saale Joisten auf. Höhepunkte in der Kreisstadt waren privat veranstaltete Konzerte und Musikabende in ihrer Wohnung.

Zeit ihres Lebens prägte Maria Dahmen das Euskirchener Stadtbild als stattliche oft mondäne Hüte tragende auffallende Frau.

Persönliche und zeitbedingte Enttäuschungen waren wohl Grund für die gefeierte Sängerin, später dem Alkohol zuzusprechen. Maria Dahmen wollte die Euskirchener provozieren und tat dies auch. Oft kehrte sie in die Gaststätte Vohsen („Vohsens Ühl“) Ecke Wilhelmstraße/Hochstraße ein. Wenn es dem Wirt zu heftig wurde, redete er sie mit Frau Eysold an, was Maria Dahmen gar nicht gefiel, so dass sie das Lokal schnellstmöglich verließ. In den 1970er Jahren befand sich im unteren Stockwerk ihres Hauses die Diskothek „Ladies Night”, wo „Dahmens Marie” manche Nächte im Kreise der Jugendlichen verbrachte. Sie lebte zuletzt zurückgezogen und kümmerte sich um ihre vielen Tiere, 15 Katzen, Perlhühner, Gänse und Pfaue.

Sie starb am 17.11.1979 und wurde auf dem Euskirchener Friedhof im Grabe Ihrer Eltern, Großeltern und ihres Onkels beigesetzt. (36)

 

(36)   Anneliese Heymann, Jahrbuch des Kreises Euskirchen 1999