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Maria Klee - Feld 57, Nr. 1 – 2

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Maria Klee geborene Küster (12.01.1898 bis 06.04.1994) kam als drittes von insgesamt sechs Kindern des Ehepaars Johann Küster (13.05.1862 bis 20.03.1938) und Maria Gertrud Rech (05.03.1863 bis 28.04.1904), Eheschließung am 27.11.1891 am 12. Januar 1898 in Euskirchen zur Welt. Der Vater war Bäckermeister mit eigener Bäckerei auf der Frauenberger Str. 53. Sie hatte noch zwei Schwestern (Maria Sibilla *°17.11.1892, Maria Gertud * 03.06.1902) und drei Brüder (Johann Peter 16.08.1894 bis 25.04.1916, Johann Heinrich 22.10.1899 bis 05.07.1918, Wilhelm Joseph *°25.11.1900), von denen zwei im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Als ihre Mutter Maria Gertrud Küster mit 41 Jahren starb, waren die sechs Kinder noch minderjährig. Daher heiratete ihr Vater Johann Küster am 04.12.1904 Hubertine Hein (16.07.1864 bis 06.02.1952) aus Rheidt. Aus dieser Ehe ging noch der Sohn Ludwig Josef (27.09.1905 bis 27.12.1944) hervor. 

Nach den acht Jahren in der West-Schule arbeitete Maria Küster zunächst in der elterlichen Bäckerei. Im Juli 1916 ging sie nach Schlesien, wo sie die Ausbildung zur landwirtschaftlichen Gutssekretärin in Liegnitz/Schlesien absolvierte. Bald schon zog es sie wieder in die Heimat. Beim „Kreisblatt Schleiden“ fand sie eine Anstellung. Die Liebe führte sie wieder nach Euskirchen, als sie Erwin Klee kennenlernte. 

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Erwin Johann Klee (01.11.1898 bis 06.09.1957) war Sohn des Studienrates Prof. Dr. phil. Hermann Klee (08.11.1866 bis 15.02.1950) und der Rosa Grünweller (06.02.1869 bis 15.10.1936) von der Münstereifeler Str. 86. Seiner Militärzeit vom 23.11.1915 bis 18.01.1918 verließ er mit einem schweren Kriegsleiden, er verlor ein Bein. Er war zuerst Bankkaufmann und wechselte 1938 als Steuerinspektor zur Finanzverwaltung. 

Am Anfang ihrer Beziehung mit Erwin Klee hatte Maria Küster, insbesondere bei der zukünftigen Schwiegermutter, einen schweren Stand. Es wird berichtet, dass Rosa Klee sich dahingehend geäußert haben soll, dass sich eine „Frau Prof. Klee“ auf keinen Fall mit einer Bäckerstochter an einen Tisch setzten werde. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten heirateten die beiden am 01.07.1927. Die Ehe blieb kinderlos.

Wie der Zufall es wollte, suchte die Bäckerinnung Euskirchen 1923 eine Kraft, die sich intensiv um die „Genossenschaft“ der Innung kümmerte, es war quasi die Institution der heutigen Firma Bäko. Am 15.08.1907 erfolgte die Gründung einer freien Bäckerinnung mit 29 Kollegen und Kolleginnen des Euskirchener Bäckergewerbes. Johann Küster wurde zum Obermeister gewählt. Zusammen mit seiner Tochter Maria Küster, später Klee hat er lange die Geschäfte der Innung verwaltet.

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Die Genossenschaft besaß damals ein Pferdegespann, mit dem man die Bäcker belieferte. Und just über dem Pferdestall hatte Maria Küster ihr Büro. Doch die Inflation sorgte für die Liquidation der Genossenschaft. Mit Hilfe von Thomas Eßer, damals Direktor der Gewerbebank, wurde das Schlimmste verhindert. Innungsobermeister Philipp Simon ließ die „Flügel“ nicht „hängen“ und sorgte für Aktivitäten: „Jetz maache mir en Krankenkass“. Als dann am 01. Oktober 1926 die Innungskrankenkasse für Bäcker als erste Innungskrankenkasse im Kreis Euskirchen ins Leben trat, war weder ein Vorstand noch ein Geschäftsführer noch ein Ausschuss für die Kasse bestimmt. 

Als der Innungsobermeister der Bäcker- und Konditor- Innung Simon im Oktober 1926 die Gründung der Innungskrankenkasse einleitete, kam von Maria Küster zuerst die Worte: „ohne mich“. Neben einem fehlenden Vorstand und einer Geschäftsführung waren keine Unterlagen für die Errichtung der Hebelisten vorhanden. Ebenso fehlten die Geldmittel für die sofortige Übernahme der Kassenleitungen. Als sich dann Vorstand und Ausschuss am 15.02.1927 trafen stand am Ende der Sitzung fest, dass die Geschäftsführerin „Fräulein Küster“ war. Das spontane „ohne mich“ wurde so schnell verdrängt und die Arbeit begann. In der Vorstandssitzung wurde ferner beschlossen, dass die Geschäftsführerin Maria Küster 40 Reichsmarkt als Vergütung bekommen sollte. Die Bäcker schlossen sich schnell zusammen. Mit Gesellen, Lehrjungen und Hausgehilfen brachte man es auf knapp 200 Mitglieder. In einer Zeit, als man noch nicht an Datenverarbeitung, Gehaltskonten oder kameralistische Buchführung dachte, war das wichtigste Requisit der Innungsangestellten Küster das Fahrrad.

Mit diesem Rad nämlich betrieb Fräulein Küster, seit Juli 1927 Maria Klee, Kundenbetreuung. Von Euskirchen über Bliesheim-Liblar-Gymnich-Lechenich und zurück, das war Route Nummer eins. Euenheim-Elsig-Dürscheven-Ülpenich-Zülpich-Nemmenich-Mülheim/ Wichterich-Frauenberg-Euskirchen, so lautete Route zwei. Route drei führte nach Münstereifel, von dort über Satzvey-Kommern-Firmenich-Obergartzem bis nach Schwerfen. Wohlbemerkt: alles per Fahrrad.

Es wurde um jeden Pfennig „gefuchst“ in den damaligen Zeiten. Das Büro der Innungskrankenkasse befanden sich zunächst beim Mittelstandsamt (später Kreishandwerkerschaft) in der Wilhelmstr. 59. Als dort die Wehrmeldestelle 1937 eingerichtet wurde, zog man zur Frauenberger Straße und später zur Wilhelmstraße (heutiges Binner Haus). Kurz vor Weihnachten 1944, als Euskirchen schwer bombardiert wurde, wurde Maria Klee unruhig. Sie nahm die wichtigsten Akten mit nach Hause zur Münstereifeler Str. 86. Und tatsächlich: die Geschäftsstelle wurde bei einem Bombenangriff total zerstört. Viele Jahre, auch nach Kriegsende, hat Maria Klee die Geschäfte von zuhause geführt. 1947 gründete Maria Klee zusätzlich noch die Bäckereinkaufgenossenschaft – BÄKO Euskirchen – später BÄKO Eifel-Mosel eG, deren Geschäftsführerin sie war.

Später, nach 60 Jahren ihrer Tätigkeit für die Bäcker- und Konditor-Innung, amüsierte sich Maria Klee, das damalige „Fräulein Küster“ über ihren spontanen Ausspruch: „ohne mich“. Im Ruhestand war sie noch glücklich und zufrieden, dass aus dem „ohne mich“ ihr Lebenswerk wurde, nämlich die Innungskrankenkasse der Bäcker, die in den 60er Jahren zur Innungskrankenkasse für 13 Innungen wurde und zu denen 1980 drei weitere hinzukamen. Als Maria Klee nach 40jähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin ausschied, da resümierte sie, was das Schönste in all den Jahren war: „Ich bin stolz, dass die Kasse all die schweren Jahre überlebt hat, ich bin glücklich, dass ich in all den Jahren nie ein Kassendefizit hatte und das Schönste war, dass ich in jedem Bäckerhaus zu Hause war.“

„Küsters Maria“, wie die ehemalige Geschäftsführerin der Bäckerinnung und Innungskrankenkasse Maria Klee in Euskirchen von vielen genannt wurde, hatte nicht nur ein Menschenleben lang hart gearbeitet, sie war auch die gute Seele von Innung und Krankenkasse, wobei vor allem ihre menschliche Art eine besondere Ausstrahlung hatte. Sie hatte immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Wünsche ihrer Innungsmitglieder gehabt. Die Bäckerinnung und Krankenkasse wäre niemals das geworden, was sie heute ist, wenn nicht Maria Klee gewesen sei. Anlässlich ihrer 95. Geburtstag hatte sich die Innungskrankenkasse etwas Besonderes einfallen lassen. Nachdem man eine Ehrenordnung verabschiedet hatte, bekam Maria Klee von dem damaligen Direktor Theo Peuten als erste die Goldene Ehrennadel der IKK überreicht. Sie war stets eine glückliche, zufriedene Frau und teilte darum gerne ihren Erfolg mit anderen, vor allem dachte sie immer an die Benachteiligten unserer Gesellschaft. So hatte sie bei ihrem 95. Geburtstag extra darum gebeten, keine Geschenke mitzubringen. Stattdessen bat sie um Geldspenden für krebskranke Kinder. 

1920 legte Pedro Olympio (21.04.1898 bis 06.12.1969) in Euskirchen am Kaiserin-Augusta-Viktoria-Gymnasium das Abitur ab. Pedro Olympios Vater was Pflanzungsbesitzer, Häuptling und christlicher Führer der Ewe-Bevölkerungsgruppe in Togo. Nach dem Abitur studierte er zuerst in Bonn und München Medizin. Später zog es ihn nach Berlin, wo er Schüler von Professor Sauerbruch wurde, und zuletzt studierte er drei Semester in Paris. Danach kehrte er nach Togo zurück, wo er eine eigene Klinik in Lome eröffnete. Von 1965 bis 1967 war er Botschafter der Republik Togo in Deutschland. Nie riss die Verbindung mit Euskirchen insbesondere zu der Familie von Studienrat Virnich und seinem Lehrer Professor Klee ab. Nach dessen Tod stand Maria Klee immer noch in einem regen Briefwechsel zu Pedro Olympio. Im Sommer 1960 schickte sie Pedro eine umfassende Kartensammlung über deutsche Burgen und Schlösser ihres verstorbenen Schwiegervaters als Erinnerung an seine Euskirchener Schulzeit.

 

Quellen

  • Stadtarchiv Euskirchen
  • Stadt Euskirchen
  • Friedhofsverwaltung (Friedhofskartei, Friedhofsbeleg- und Bestattungsbücher)
  • Standesamt (Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden)
  • Einwohnermeldeamt/Bürgerbüro (Meldekartei)
  • Totenzettelsammlung Kurt Lingscheidt
  • Festschrift 80 Jahre Bäckerinnung
  • Heimatkalender 1961 Kreis Euskirchen